System Shock 2

Es gab mal eine Zeit, wo Horrorshooter noch in den Anfängen standen. Doom machte den Vormarsch, doch es war ein anderes Spiel, was Spielen wie denen der Bioshock Reihe den Weg ebnete.

cover

System Shock war seiner Zeit ein Spiel, was anders war, da man nicht einfach nur von Punkt A nach Punkt B rannte, um auf den Weg dorthin alles nieder zu metzeln mit allerhand klein- oder großkalibrigen Arsenal. System Shock bot eine solide Handlung. Auf der Saturnstation Citadel war die künstliche Intelligenz „SHODAN“ zu der Überzeugung gekommen, eine Göttin zu sein und wollte die Menschheit vernichten. Erst mit  einem Bergbaulaser, dann mit einer Cyborgarmee, dann mit bio-organischen Waffen, sprich Mutanten und schließlich wollte sie sich selbst auf die Erde runterladen. Kurzum: Sie hielt den Spieler auf Trab.

Doch war SHODAN keine Schurkin im klassischen Sinne. Sie kündigte ihre Absichten manchmal sogar an. Warnte sie den Spieler noch, nicht in einen Bereich der Station zu gehen, sonst würde sie ihn umbringen. Was sonst nur müde belächelt wurde, wandelte sich schnell in eine ernste Angelegenheit, denn als Konsequenz kam ein ganzer Trupp Cyborgs zum Angriff. SHODAN war eine Gegenspielerin, die man ernst nehmen sollte. Die Oberfläche war, nach heutigen Standards, ein Graus und verstellte einen großen Teil des Bildschirms.

9076aba7a2706d92baf42673ae08ff5b

Viele, viele Dinge verstellten damals das HUD

Doch nicht immer bedeutet ein altes Spiel grundlegend schlechte Züge. Waren die damaligen Leveldesigns doch wesentlich komplexer als die heutigen Spiele.

7thfloor

System Shock 1

Engineering_Map

System Shock 2

Smuggler's_Hideout_Map

Bioshock 2

Es tut sich ein schmerzlicher Abwärtstrend auf. Simplere und noch simplere Leveldesigns für scheinbar zu schnell überforderte Spieler? Nein, das muss nicht sein. Komplexere Karten sollten nicht abschreckend wirken, machen sie doch einen angenehmen Reiz aus. Mit der Zeit kam neue Technologie ins Spiel und so kam dann auch irgendwann die 3D Technologie in die Computerspielebranche. Ein Grund mehr für Looking Glass, die Geschehnisse von System Shock noch einmal aufzurollen…

*  *  *  *  *

Ein Sprung in die Zukunft!

Jahre nach der Vernichtung SHODANs auf der Station Citadel fliegt das überlichtschnelle Raumschiff Von Braun auf ihrem Jungfernflug durch das All, lediglich begleitet von der UNN Rickenbacker, einem angedockten Militärschiff zwecks Verteidigung gegen außerirdische oder sonstiger Bedrohung. Ihr seid ein Agent und Teil der Crew der Von Braun. Bevor es losgeht, wählt ihr in einem Rekrutierungscenter auf der Erde eure „Karriere“, sprich die Grundbausteine eurer Spielweise. Ihr könnt das Spiel auf vielfältige Art und Weise durchspielen. Entweder als Hacker, Marine, OSA-Agent mit übernatürlichen Kräften oder einer gesunden Mischung aus allen dreien.

Kann man als Hacker mit der Zeit selbst schwierigste Türen und Terminals öffnen und manipulieren, ohne Alarm auszulösen oder gar den Alarm abstellen, so kann man als OSA-Agent, pyrokinetische Projektile verschießen, sich unsichtbar machen für organische Feinde, oder sich mit geistiger Macht in ein System einschleichen. Der Marine hingegen ist bekanntlich gut für das Grobe und reicht ein Kaliber nicht aus, um was zu töten, wirf die Waffe weg und nimm eine größere.

Nachdem man also seine Grundskills gewählt hat in der Ausbildung, bekommt man auch seinen Platz auf der Von Braun. Ein Horrortrip erwartet uns. Denn als wir aufwachen, kriegen wir auch gleich mit, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Nicht nur, dass uns die Radarschüssel auf der Außenseite des Schiffsfensters beim Verlassen unserer Cryo-Schlaf-Kammer um die Ohren fliegt… Nein, zombieartige Besatzungsmitglieder mit Schrotflinten jagen entsetzten, normalen Besatzungsmitgliedern hinterher.

Ein schwungvoller Anfang einer Arbeitsschicht macht den Tag komplett. Ugh… Bewaffnet mit einer Rohrzange und lediglich im Kontakt mit Dr. Janice Polito macht man sich auf, um auf dem Schiff nach dem Rechten zu sehen. Während man sich mit spärlicher Bewaffnung durch die Korridore wagt, findet man die inzwischen Genre-üblichen Audiologs, die nach und nach einen sehr düsteren Sinn ergeben, was sich auf dem Schiff zugetragen hat.

Der HUD ist überarbeitet worden und lässt sich minimieren.

Das Spiel ist 1999 rausgekommen und seit 2013 zum Download bereit. Dementsprechend alt ist auch die Grafikengine. Doch ist dies kein Grund, dieses Spiel zu meiden. Sind doch etliche Mods im Internet vorhanden, um die Texturen von damals im neuen Look zu präsentieren und schärfer zu gestalten. Selbst so manches Niedrig-Polygon-Modell wurde von der Community überholt.

Aus alt mach neu

Diverse Mods überarbeiten die veraltete Grafik mancher Gegner.

Doch spielt man System Shock nicht wegen der Grafik, sondern um der Handlung willen und diese kann sich sehen lassen. Das Spiel lässt einem freie Handlungsfreiheit, WIE man das jeweilige Missionsziel erreicht. Ob man nun in einen Raum stürmt, alles und jeden umlegt und zerstört, oder ob man sich in die Geschütztürme hackt und diese einem dann permanent zur Seite stehen, bis sie selbst vernichtet werden… Es liegt nur am Spieler selbst. Auch das Schere-Stein-Papier-System der Munition lässt einen leicht grübeln, denn während panzerbrechende Munition gut gegen robotische Gegner ist, so ist sie doch recht nutzlos gegen organische Ziele, wo Hohlspitzmunition angebrachter wäre. Ferner kann man sich nicht nur auf einen Munitionstypen verlassen.

Fazit:

Es sind solche Spielelemente, die System Shock 2 auch nach so vielen Jahren immer mal wieder einen Spieldurchlauf wert machen. Dies und die unheimlich-düstere Geschichte voller zerstörter Hoffnungen und Träume an Bord der Von Braun lassen einen gern mal über die klobigen Gegnermodelle hinwegsehen. Seien wir nicht zu schroff zu alten Spielen, denn einst waren auch sie die modernste Grafik, die der Markt bot.

Grafik: 6/10 für eine veraltete, doch noch immer annehmbare Grafik, die zudem mit Mods noch annehmbarer hochgerüstet werden kann.

Gameplay: 8/10 für ein solides Gameplay und einen Mix aus Horror, RPG und Shooter.

Musik: 6/10 für ein nicht ganz so stimmiges Elektrogeblubber. Ich bin kein großer Fan dieser Sorte von Musikuntermalung, doch es ist besser als gar nichts. Lediglich manche Tracks, die gruseligen mit langsamen Rhythmus wollen überzeugen, während der Rest einfach nicht stimmig ist.

Storyline: 9/10 für eine Handlung so voller Atmosphäre, wie sie dichter kaum sein könnte. Jedes Audio-Log, was man findet, bringt einem noch tiefer in das Geschehen und fühlt sich wie eine Wundertüte an. Hab ich nun den heiß ersehnten Zugangscode für die und die Tür? Oder wieder einen Einblick in das Grauen der Von Braun? Elektronische Eingriffe in euer Cyber-Interface wie auch telepathischer Kontakt zu euch nutzen die Game Engine, um euch Cutscenes zu offenbaren, ohne welche zu nutzen, was euch die Kontrolle überlässt, euch jederzeit selbst umzusehen.

Kommen wir auf eine 7,25 für ein Spiel, was schon einige Jahre auf dem Buckel hat. System Shock 2 nimmt dich bei der Hand und zeigt dir die Aufgaben vor dir. Wie du sie erledigst, bleibt völlig dir überlassen. Es ist eines jener Evergreens der Spieleindustrie, was heutzutage im Glanz und Glitter modernerer Shooter gern übersehen wird. Mach diesen Fehler nicht und greif zu! Es ist das Erlebnis wert.

One Response to System Shock 2

  1. Shivaa Shivaa sagt:

    Danke dafür (y) Top habs mir soeben gekauft!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*