Mittelerde: Mordors Schatten

 

„Endlich mal! Endlich ein Spiel, das nicht vom Hype überfahren wurde“, so oder so ähnlich dürfte der eine oder andere von euch gedacht haben als Mittelerde: Mordors Schatten released wurde. Mittlerweile ist der Titel ein paar Wochen alt und es ist Zeit die Frage zu stellen ob der mangelnde Hype eben doch gerechtfertigt war. Finden wirs raus..

 

 

Wenn ich auf die Spielzeit von 19 Stunden zurückblicke, in denen ich den Franchise-Titel durchgespielt habe, dann tue ich das mit gemischten Gefühlen. Ja, es existieren herausragende Spielelemente, ja die Grafik ist grossartig, die Musik lässt mich erschaudern aber reicht das aus einen Titel auf einen Podestplatz zu stellen? Aber ich greife vor, ich möchte euch von meinen ersten Minuten in Mordor erzählen:

*Räusper* „Die Welt ist im Wandel! Ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der Erde, ich rieche es in der Luft! Vieles das einst w..

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Das grüne Land Mordor

 

Nein, Mittelerde: Mordors Schatten verzichtet auf den berühmten Opener jedes anderen Herr der Ringe-Franchisetitels. Stattdessen wird uns ein grünes lebendiges Mordor suggeriert, ein Tor der Gondorianer, das schwarze Tor. Waldläufer, die dazu verdammt wurden dort ein stetes Auge auf ein lang vergessenes Übel zu richten (moment, woher kenn ich das? Bevor ihr mich zerfleischt: J.R.R. Tolkien kam natürlich vor G.R.R. Martin, aber dennoch fallen die Parallelen auf). Die tiefe Elbenstimme, die ich als die Galadriels erkenne, verkündet mir, dass die ruhigen Tage des Faulenzens vorbei sind, dass Saurons Macht wieder erstarkt. Zugegeben, originell war das nun auch wieder nicht aber…der Himmel verdüstert sich, grauer Rauch wabert um mich herum und ich wache auf. Was war das? Ein Traum? „Ioreth (Frau)! Dirhael (Kind)!“ Der Rauch schwindet ein wenig und gibt den leblosen Körper meines Sohnes frei, blutüberströhmt. Neben ihm liegt das Schwert, das ich für ihn fertigen liess, zerbrochen. Langsam nehme ich es an mich, wuchte meinen Körper auf und sehe mich um. Der Rauch verzieht sich und die Sonne vergangener Tage wärmt mein Gesicht. Ich drehe mich um und werfe Dirhael sein neues Schwert zu. Er fängt es behände. Mit einem kleinen Scherz mache ich mich über ihn und seine Kampffertigkeiten lustig. Er hingegen stellt sich breitbeinig hin. Oh der freche Junge will also kämpfen? Dann werde ich ihm eine kleine Lektion erteilen!

 

Ein Tutorial, das dreimal durchgespielt werden musste

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Silly Boy

Und so entlässt uns das Intro in das Tutorial. Heimlich breitet sich ein Lächeln auf meinen Lippen aus mit der Gewissheit, dass die Macher dieses Titels Meister der Inszenierung sind. Was kann also jetzt noch schief gehen? Als ob ich mit diesen Worten das Unheil heraufbeschwören würde, wird mir die Steuerung im Übungskampf näher gebracht. Ich sags mal so: Ich hab das Game beendet, den XBOX 360 Controller eingestöpselt, neugestartet, nochmal neu gestartet, den Controller wieder entfernt und mich mürrisch mit der Tastatursteuerung abgefunden. Kurzum: Es ist egal auf welcher Plattform ihr spielt, die Steuerung ist alles andere als intuitiv aber (!) mit der Zeit gewöhnt man sich dran…irgendwie…

Es hat seinen Grund weshalb man sich mit der Steuerung recht bald zurecht findet, einen unangenehmen wohlgemerkt, den ich aber einfach nicht guten Gewissens übergehen kann weil er schlichtweg zu offensichtlich ist. Dem einen oder anderen von euch dürften die Batman: Arkham – Titel bekannt sein? Und wenn ich ausserdem Assassins Creed in den Mund nehme, wisst ihr sicher was nun kommt. Ich machs euch leicht: Ja…Ja, der Vorwurf des Klauens ist gerechtfertigt, ja, Mordor spielt sich verdammt ähnlich und fühlt sich wie ein Mix der beiden Titel an. Man kann sich mit der Prämisse abfinden oder man hängt sich daran auf. Jedem von euch ist das natürlich selbst überlassen aber wir lassen erstmal das Negative hinter uns und beleuchten als nächstes etwas durchaus angenehmes: Die Story!

 

Ich bin ein wichtiger Herr der Ringe Charakter, passt gefälligst auf

Ernte

NEHMT MICH GEFÄLLIGST ERNTE!

Eines vorneweg: Man spielt diesen Titel nicht wegen der Story, auch wenn diese durchaus gut inszeniert wird. Die Cinematics, die zuhauf eingespielt werden, suchen ihresgleichen. Ich habe selten so schön gezeichnete Zwischensequenzen wie hier erlebt. Die bombastische Musik trägt einen wunderbar durch das ganze Game, vermag die drohend düstere Atmosphäre perfekt zu untermalen. Die Geschichte die Mittelerde: Mordors Schatten erzählt, ist ohne Zweifel eine traurige, eine emotionale. Aber der Funke vermag nicht so ganz überzuspringen. Dabei macht das Game zu Beginn alles richtig: Recht schnell wird euch klar, dass ihr alles was euch jemals wichtig war, verloren habt. Und mit dieser grausamen Gewissheit macht ihr euch auf ein letztes Übel abzuwenden ehe auch ihr..in Frieden ruhen könnt.

SPOILER!! Nein, kein Spoiler, das Game macht euch von Anfang an klar, dass ihr tot seid, dass eure Familie tot ist und dass ihr durch einen grausamen Fluch mit einem mysteriösen Elben verbunden seid. Und genau davon handelt diese Geschichte. Von dem mysteriösen Elben. Ihr helft also einem wildfremden Typen an den ihr unglücklicherweise gebunden seid zu erfahren wer er ist und warum er hier als längst vergangener Toter herumirrt. Ihr erinnert euch an den fehlenden Funken? Genau hier ist meiner Meinung nach der Hund begraben. Nach dem dramatischen Start erfahre ich, dass es gar nicht um mich, den Waldläufer Talion, geht sondern um irgend ein Kerl den man mir per Zufallsprinzip aufgehalst hat? Die emotionale Nähe die man mit dem Char in den ersten 10 Minuten aufgebaut hat, ist wie weggeblasen. Irgendwann findet man sich auch damit ab, denn schlussendlich entfleucht einem nur ein müdes „meh“.

Denn auch die Story ist es nicht, die dieses Game von anderen AAA-Titeln abhebt. Ja aber was ist es dann? Die offene Mordor-Nurn-Spielwelt? Nope. Die wunderschöne Ingamegrafik? Nai!

 

DAS NEMSISSYSTEM

Wie erkläre ich euch das jetzt ohne mich dabei zu verlieren.. stellt euch das Organigramm einer Firma vor! Doch! Tuts einfach, vertraut mir. In jedem Betrieb gibt es eine Struktur die das Angestelltenverhältnis regelt. Vom grossen fetten Boss über die Möchtegernbetriebsleiter bis zum unwichtigen Kopien-produzierenden-Kaffee-machenden Praktikanten. Genau so ist das System aufgebaut, nur mit grossen fetten grünen Viechern oder auch allgemein bekannt als Orcs.

Und durch diese Hierarchie schnetzeln wir uns. Jeder dieser Orcs wird vom Zufallsgenerator zusammengestellt so auch die Stärken und Schwächen die wir erstmal in Erfahrung bringen müssen. Natürlich können wir uns auch einfach blind auf einen Gegner stürzen und darauf hoffen, dass wir Glück haben. Aber gerade in den niedrigen Levelstufen ist dieses Vorgehen nicht zu empfehlen. Also schnappen wir uns den Praktikanten (Randomuntergebene von denen Zuhauf in Mordor herumspazieren) und zwingen ihn dazu unserer Nemesis einen Namen zu geben. Denn zu Beginn sehen wir nichtmal mit wem wir es zu tun haben. Gesicht und Namen (und eben auch Fähigkeiten)  unserer Gegner sind verborgen. Und wie im echten Leben gibt es auch hier den einen oder anderen Praktikanten (ich nenne sie Pausenraumsusis) der ein bisschen mehr weiss, die Tratschtante unter den Angestellten. Jene werden uns mit einem Symbol auf der Minikarte dargestellt und es gilt also die Susis auszuhorchen. Denn genau sie sind es, die die Fähigkeiten und Schwächen der Orcoffiziere kennen (ich finde der Vergleich wird immer besser). Nachdem unser Opfer seine Nützlichkeit verloren hat und alles irdischen gegangen ist, machen wir uns nun auf die Gegnerhorden auszudünnen. Und schon wieder tot.

 

Es nützt nichts, wenn ihr die Stärken und Schwächen eurer Gegner kennt aber selber keine Ahnung habt ob ihr mit der Schwertscheide oder dem Heft angreift. Das bringt mich zum Skillsystem. Ihr könnt fast alles verbessern: Euer Schwert, Dolch und Bogen, euch selbst und euer Elben-ich das immer zum Einsatz kommt wenn Ihr den Bogen benutzt und in der Finsternis wandelt. Erfahrungspunkte erhaltet ihr durch einfache Nebenmissionen wie beispielsweise dem Befreien von Gondorsklaven, manche Skills könnt ihr damit freischalten, manche erst im Verlauf der Story. Dazu müsst ihr aber auch sogenannte Machtpunkte verdienen und die erntet ihr nur auf die eine Weise: Orcoffiziere schnetzeln. Ihr seht das ganze System ist miteinander verbunden. Wenn Ihr einen mächtigen Orc schnetzelt, erhaltet ihr mehr Machtpunkte. Tötet er aber euch, wird er dabei mächtiger und steigt unter Umständen in der Rangfolge auf. So kann es passieren, dass Praktikant Gurk eines Tages Häuptling Gurk der Mächtige heisst nur weil ihr euch zu schade wart herauszufinden, dass ihr ihn nur mit Schleichangriffen meucheln könnt.

 

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Das Meisterstück: Das Nemesissystem

 

Und jetzt muss ich den nächsten Abschnitt doch mit einer Spoilerwarnung versehen auch wenn jetzt der beste Teil des Nemesissystems offenbart wird. Und zwar ist das die Tatsache, dass ihr euch ab der zweiten Spielhälfte selbst in die Hierarchie einarbeiten könnt. Ja richtig gelesen, ihr werdet zum Orchäuptling. Jeeeeein.. nicht direkt, sagen wirs so: Ihr könnt die Orcs mit euren eigenen Untergebenen (ja ihr kriegt Gefolgsleute UND es sind Orcs) unterwandern und euch so indirekt selber etablieren. Nichts gegen das Ausdünnen der Orcmeute, keineswegs, aber da diese Viecher immer wieder neue Grünheute in die Struktur einbringen, ist das als ob ihr versucht mit einem Wassereimer einen See zu leeren.Aber bis es mit dem Unterwandern soweit ist, müsst ihr den Jungs ein wenig unter die Arme greifen, denn sie tun ohne Eure Mithilfe schlichtweg nichts. Ihr schmiedet also Komplotte, seht zu dass Eure Männer wichtige Positionen unter den mächtigsten Grünhäuten einnehmt, räumt für eure „Freunde auf Geschäftsbasis“ Konkurrenten aus dem Weg und ebnet so den Weg für eine riesige Orcarmee die unter eurem Kommando steht. Klingt gut oder? Ist es auch! Ihr habt schlichtweg die Möglichkeit die mächtigste Sau in Mordor zu werden (Sauron ist noch immer am regenerieren).

 

Der Boden der Tatsachen

Wenn ihr mich nun fragt, ob das Nemesissystem alleine den Kauf rechtfertigt, dann muss ich euch jetzt leider einen Dämpfer verpassen: Nein! Ich habe lange mit der Antwort gerungen, doch ich kann euch nicht guten Gewissens empfehlen das Game zum Vollpreis zu kaufen und zwar aus dem einen Grund der dem Nemesissystem die Nemesis ist: Langzeitmotivation. Es kommt der Punkt, und der kommt verdammt schnell, wo ihr die Orchäuptlinge unter eure Kontrolle gebracht habt und ihr nichts mehr zu fürchten habt. Zu dem Zeitpunkt habt ihr gewonnen. Ja, es existieren immer noch Nebenmissionen, ja Ihr könnt Eure Waffen womöglich noch weiter verbessern, könnt Eure Waffen mit DEN perfekten Runen aussstatten, aber wozu? Ihr habt doch schon alles erreicht. Natürlich kann man das Ganze künstlich in die Länge ziehen *hust*Diablo3*hust*, eigene Orchäuptlinge schnetzeln und den Weg für die Typen ebnen die die perfekten Fähigkeiten besitzen so, dass ihre Macht unantastbar ist. Aber eben..wozu?

Aber ist das Game deswegen schlecht? Nein, alles in Allem macht Mittelerde: Mordors Schatten vieles richtig. Das Game kann ohne Probleme mit den besten Franchisetitel der Herr der Ringe Reihe mithalten. Das Gesamtpaket stimmt, doch ich rate dazu den ersten Sale abzuwarten oder darauf zu hoffen, dass ein mögliches Addon weitere Inhalte bringt, die das Nemesyssistem ausbauen.

 

 Launch Trailer:

 


 

 

Pro:

  • Nemesissystem
  • herausragende Grafik
  • grossartige Musik, die auf die altbekannten Herr der Ringe-Stücke verzichtet
  • interessante Hintergrundgeschichte über einen wichtigen Charakter in der HdR Welt

 

Contra:

  • fehlende Langzeitmotivation sobald man das Game durchgespielt hat
  • Preis – Leistungsverhältnis stimmt nicht
  • Die Story als Ganzes bleibt nicht lange hängen, der Hauptcharakter ist trivial

 

Fazit: Das Game gehört meiner Meinung nach gespielt, aber nicht zum Vollpreis!

 

 

 

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